Zuger Privileg
Überleben in Auschwitz, 22. Januar 2008


Auschwitz überleben – Ueli Jäggi liest Max Perkal

So also hat Max Perkal ausgesehen. Der junge Mann, der in der Felsenegg in drei Heften gegen den noch nahen Alptraum Auschwitz anschrieb. Das junge Gesicht auf der Leinwand nimmt sofort gefangen: der 19jährige, 1945, auf dem Zugerberg, als der Krieg zu Ende war. Jetzt auf Erholungsurlaub bei den verschont Gebliebenen.

Eine ganze Reihe von Fotografien hat das ETH-Archiv für Zeitgeschichte dem Privileg für die Lesung zur Verfügung gestellt. Ein Glücksfall. Das Gesicht begleitet die Lesung des Schauspielers Ueli Jäggi. Ein stumm beredter Kommentar. Anhaltspunkt für die Zuhörer, Hinweis um besser zu verstehen. Als wär’s ein Spiegel forschen wir in diesem Gesicht nach den Spuren der Katastrophe. Jäggi liest, dass Max Perkals Worte im Raum lebendig werden. Pein, traumatischer Verlust, alltäglicher physischer und psychischer Horror – und immer wieder aufplatzender, ungebärdiger Lebenswille. Die Stationen sind weltberühmt: Auschwitz und Buchenwald und schliesslich der Zugerberg.

Das alles liest Ueli Jäggi. Ohne Aufhebens. Seine Stimme ist jung wie Max Perkals Gesicht. Der erfahrene Schauspieler, Urgestein in der legendären Marthaler-Truppe, geht das eigenwillige Yiddisch-Deutsch des Berichts direkt und schnörkellos an. Und gewinnt so die Kraft dessen, der sprechen muss. Dass dieser gehört oder verstanden wird, ist die Hoffnung. Was zuerst zählt, ist der unbändige Lebenswillen, sprechend, erzählend zu überleben.

Der fremde Singsang, der den kulturellen Echoraum in Max Perkals atemlosen Sprechen grundiert, und der in Jäggis Lesung wie nebenbei mit schwingt, findet sein Ende in zwei Zahlen: 98069 und 133881. Das eine ist Max Perkals Häftlingsnummer in Auschwitz, das andere diejenige in Buchenwald. Die Zahlen haben das letzte Wort.

Bereits das Zuger Neujahrsblatt 2008 war dem Schicksal eines jüdischen Kindes nachgegangen, das mit der so genannten Buchenwaldaktion des Schweizer Hilfswerkes Schweizer Spende auf den Zuger Hausberg gekommen war.
Das Privileg hat nachgehackt und mit der Lesung den Faden weitergesponnen und damit viel gewonnen.